50 Jahre evangelische Kirche Immenstaad

Immenstaad bekommt eine eigene evangelische Kirche

Am 21.Oktober 1956 wurde unsere evangelische Kirche eingeweiht.

Zum Jubiläum: „50 Jahre evangelischer Gottesdienst in Immenstaad" veröffentlichte Pfarrer i.R. Conradi 1983 in den Immenstaader Heimatblättern Heft 8 die Geschichte unserer Kirchengemeinde. Im folgenden werden weite Teile dieses Textes übernommen, sie sind kursiv gedruckt:

Um die Jahrhundertwende (1900) gab es etwa 3 oder 4 evangelische Familien in Immenstaad. Ganz allmählich vermehrte sich die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder. Im Jahre 1933 zählte man (lt. Statistischem Landesamt) 62 Evangelische. Für diese wurde nun am Weihnachtsfest (25. Dezember 1933) erstmals im Rathaussaal ein evangelischer Gottesdienst gehalten. Von da an fand 14-tägig Gottesdienst in einem Schulzimmer, im Rathaussaal oder auch in der St. Michaelskapelle statt. 1941 wurde dann diese schöne, kleine Barockkapelle die Heimstätte für den Gottesdienst, die ein Zusammensein wie in einer Familie ermöglichte. Die erste Kirchendienerin war Fr. Egger. An einem kleinen Harmonium begleitete Frau Evert den Gottesdienst musikalisch. Immenstaad war evangelische Teilortgemeinde von Meersburg.

Pfarrer Conradi erzählt: „Zum ersten November 1947 wurde ich in die Pfarrei Meersburg berufen. Als ich Ende Oktober 1947 mit meinem Vorgänger, Pfarrer Jäger, per Fahrrad eine Rundfahrt durch die damals 11 kommunale Gemeinden umfassende Pfarrei Meersburg machte, kamen wir auch nach Immenstaad. Wir kehrten bei Fräulein Evert und Frau Egger sowie bei der Familie des Kirchengemeinderates Friedrich Dürr ein. Mein Fazit nach dieser ersten Orientierungsfahrt war: Eigentlich müssten in dem gesamten Pfarramtsbereich drei Kirchen gebaut werden – in Mühlhofen, in Unteruhldingen und eben auch in Immenstaad: Aber wie sollte so etwas möglich sein? 1947!! Da hatten wir noch andere Probleme: Wie werden wir satt? Wie kommen wir zu den Vorräten für den Winter? ... An Kirchen bauen ist nicht zu denken!"

Und dann waren noch keine 10 Jahre verstrichen – da standen bereits die Kapelle in Unteruhldingen (1954) und die Kirche in Immenstaad (1956)

„Für eine Gemeinde von 300 Seelen (Ende 54) war die kleine St. Michaelskapell einfach zu klein geworden," erzählt Pfarrer Conradi weiter, „ darum regte sich allenthalben da verlangen nach einer eigenen Kirche. Erfreulich war das Verständnis, das wir bei der Gemeindeverwaltung für unser Anliegen fanden. Auf unsere Anfrage an das Bürgermeisteramt um Überlassung eines geeigneten Platzes für einen Kirchenbau, erhielten wir mit einem Schreiben vom 12.November 1954 die erfreuliche Zusage: „Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, Ihnen einen Platz von ca. 600qm für den Bau einer evangelischen Kirche zu überlassen." Der Anfang war gemacht. Doch Grundstückerwerb ist selten eine Augenblicksangelegenheit. Nachdem dem guten Willen der Gemeindeverwaltung, uns ein geeignetes Grundstück zur Verfügung zu stellen, kein Erfolg beschieden war, wurde uns vorgeschlagen, die Grundstückssuche selber zu betreiben mit der Zusage, an die Kosten von Seiten der Gemeinde 5000.-DM beizusteuern. Mancher Weg war zu gehen, Geduld war erforderlich und vor allem das, was wir „Fügung von oben" nennen. Es kam dann eigentlich ganz überraschend der Hinweis über das Bürgermeisteramt. Herr Gleichauf wäre willig, uns sein Grundstück zu überlassen. Und auch mit H. Langenstein wäre zu reden, denn das eine Grundstück reicht für einen Kirchenbauplatz nicht aus. Es war gerade ein Jahr verstrichen, als am 24.Oktober 1955 der Kaufvertrag mit den beiden Grundstücksbesitzern abgeschlossen werden konnte."

Noch im Sommer 1955 sah es für den Kirchenbau nicht so gut aus. Durch den gleichzeitigen Kirchenbau in Uhldingen, waren die Mittel erschöpft. „Im laufenden Rechnungsjahr können keine Mittel für das Bauvorhaben in Immenstaad frei gemacht werden" heißt es im Protokoll des Meersburger Kirchengemeinderates, der auch für Immenstaad zuständig war. „Wir sind daher genötigt, den Oberkirchenrat zu bitten, die gesamte Bausumme vorzustrecken". Nach einem Gesamtkostenvoranschlag von Architekt Dr. Schmekel werden die Gesamtbaukosten für eine Kapelle mit etwa 100 Sitzplätzen etwa DM 49.611.- betragen. Die voraussichtlichen Kosten für eine Orgel und für zwei Glocken sind mit rund DM 12.000 hinzuzufügen. … Da die wirklichen Kosten erfahrungsgemäß höher als der Voranschlag liegen, wird um ein Darlehen von DM 65.000 gebeten." Außerdem bittet der Kirchengemeinderat um einen Zuschuss aus dem „Diasporafonds".

Am 5. Dezember 1955 findet eine Sitzung des Kirchengemeinderates in Meersburg statt. Als Vertreter aus Immenstaad gehörte H. Dürr dem Kirchengemeinderat an. Verlesen wird eine Nachricht des Oberkirchenrates: Dieser sagt einen Kredit über DM 40.00.00 mit einem Zins von 2% pro Jahr und einer Tilgung von 1% pro Jahr für den Kirchenbau in Immenstaad zu (der Kredit wurde wenig später sogar auf DM 44.000 erhöht). Außerdem gewährt er eine Beihilfe von DM 12.000.-. Der Kirchengemeinderat in Meersburg „nimmt dankend an" und beschließt „den Kirchenbau in Immenstaad mit dieser Finanzierungshilfe durchzuführen"

 

Und dann geht alles ganz schnell:

Bis zum 6. März 1956 um 12.00 Uhr werden Angebote für die Handwerksarbeiten eingeholt, die Aufträge werden am 20. März vom Kirchengemeinderat vergeben:

Maurer- u. Beton Arbeiten  an A. Langenstein, Immenstaad

Zimmerarbeiten                 an Urban-Hildebrand, Fischbach

Dachdeckerarbeiten            an A. Langenstein, Immenstaad,

Spenglerarbeiten                an Wilhelm ?, Meersburg

„An Christi Himmelfahrt (10.Mai 1956) legten wir bei strömendem Regen den Grundstein," erzählt Pfarrer Conradi, „ Dekan Mono, Konstanz hielt die Predigt. Unter dem Vordach des Kirchplatz – Nachbarn Schildt konnte man etwas im Trockenen stehen. Trotz Regen waren unsere Herzen wohlgemut. Über der Urkunde, die mit anderen Dingen in einer Kassette in den Grundstein eingemauert wurde, steht Jesu Zusage: ´Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende´"

Die Abbildung zeigt einen Teil des Protokolls des Meersburger Kirchengemeinderate vom 10.9.1956. Unter Punkt 2. steht zu lesen:

„Der Kirchenbau in Immenstaad und die vorraussichtlich am 21. Oktober stattfindende Einweihung wird besprochen"

 

Die Einweihung

Von der Einweihung erzählt Pfarrer Conradi: „An einem wunderschönen, sonnigen Herbsttag (21.Oktober 1956) og die große festliche Schar von der St. Michaelskapelle zur neuen Kirche. Unser damaliger Landesbischof Julius Bender weihte sei. In seiner Festpredigt über das Evangelium von der Heilung des kranken Sohnes eines römischen Hauptmannes legte er uns ans Her, wie Gott uns Menschen in seiner Liebe Lockt, um uns durch Jesus Christus aus unserem verderben zu retten."

Am 23. Dezember 1956 konnten zwei Glocken, die von Fabrikant Fritz Kopp, Ulm, gestiftet wurden, geweiht werden und 5 Jahre später, am Erntedankfest (1. Oktober 1961) fand die Orgelweihe statt.

Die erste Zeit in und mit der neuen Kirche

„Als die Kirche stand, wünschte die Gemeinde, dass sie nun jeden Sonntag am Vormittag Gottes Wort hören kann," berichtet Pfarrer Conradi. „Dies war durch die Mithilfe von pensionierten Pfarrern aus der schwäbischen Landeskirche und von Lektoren möglich. Bei der Einweihung der Kirche bezeichnete Pfarrer Schrägle von der Kirchengemeinde Friedrichshafen in seinem Grußwort die beiden Ruheständler Pfarrer Knebel und Pfarrer Schilling, die sich sein kurzem in Immenstaad niedergelassen hatten, als „eine lebendige Gabe" der Nachbarkirche, die zur Aushilfe im Pfarrdienst bereit seinen. Bald darauf kam noch ein dritter aus Schwaben, Pfarrer Traub.

Am 28 April 1957 hielt Frau Pfarrer Knebel den ersten Kindergottesdienst, und führte dieses Amt mit großer Treue viele Jahre."

Über die erste Zeit in unserer neuen Kirche geben auch die Kirchenbücher Auskunft.

So wurden von unserer Messnerin alle Teilnehmer des Abendmahls getrennt nach Männern und Frauen im Abendmahlsbuch aufgeschrieben:

Das erste dokumentierte Abendmahl fand am Reformationsfest am 4.11.1956 in unserer neuen Kirche statt. Es nahmen 6 Männer und 8 Frauen daran teil. Am darauf folgenden Weihnachtsgottesdienst waren es dann immerhin 19 Abendmahlsgäste.

Ein wichtiger Feiertag der evangelischen Christen in Immenstaad war der Bußtag (heute Buß- und Bettag, 1995 als arbeitsfreier Feiertag abgeschafft). Jahrelang fand an diesem Tag ein Abendmahl statt, das sehr gut besucht war (über 30 Teilnehmer). Nur das Abendmahl am Karfreitag war noch besser besucht. Der Weihnachtsgottesdienst scheint noch nicht so wichtig gewesen zu sein wie heute: Nur 17 Kirchenbesucher nahmen am ersten Weihnachtsabendmahl in der neuen Kirche teil.

Der erste Täufling in unserer neuen Kirche war wohl Frau Petra Traub. Sie wurde am 3.2.1957 im Alter von vier Wochen getauft. Im selben Jahr gab es noch eine evangelische Taufe in Immenstaad, es war die Taufe von Irene Melzig. Sie fand aber in einem Kindergottesdienst statt.

Die erste Trauung, die in unserer evangelischen Kirche stattfand, war die Hochzeit von Herbert Graf v. Pückler und Margarete Dorothea Leypold am 17.2.1957. Im selben Jahr fanden noch fünf weitere Trauungen statt. In den folgenden Jahren waren es nur ein bis zwei Trauungen im Jahr.

Erst im Jahr 1965 sind die Immenstaader Konfirmanden namentlich aufgeführt. Pfarrer Conradi schrieb immer zuerst die Mädchennamen nach dem Alphabet auf und dann die Jungennamen. Die Konfirmation in Immenstaad fand allerdings nicht jährlich statt, da es nicht so viele evangelische Jugendliche gab. So wurden oft zwei oder drei Jahrgänge zusammengefasst.

Mit der eigenen Kirche bekam die evangelische Kirchengemeinde Immenstaad 1959 einen eigenen Ältestenkreis. Bisher wurde Immenstaad komplett vom Kirchengemeinderat in Meersburg verwaltet. Vertreter für Immenstaad in diesem Gremium war seit 1947 Herr Dürr.

Die Wahl fand in Immenstaad am 21.6.1959 statt. Auch die Teilgemeinden der Meersburger Kirchengemeinde Mühlhofen und Unteruhldingen wählten einen eigenen Ältestenkreis. 1959 gab es 330 evangelische Christen in Immenstaad, davon waren 96 wahlberechtigt. Von den Wahlberechtigten haben fast 60% ihre Stimme abgegeben. Dem ersten Ältestenkreis gehörten Fr. Heger, Fr. Pfarrerin Knebel, H. Bauer, H. Dürr, H. Dr. Ehrlich und H. Weiler an.

Nach wie vor gehörte die evangelische Kirchengemeinde zu Meersburg. Daher wurde ein Vertreter des Immenstaader Ältestenkreises für den Kirchengemeinderat in Meersburg gewählt: Es war wieder H. Dürr, der dieses Amt übernahm.

In die Bezirkssynode wurden aus Immenstaad gewählt (siehe Abbildung links):

Fr. Pfarrerin Knebel und Dr. Ehrlich

Die Protokolle wurden immer während der Sitzung in das Protokollbuch geschrieben und sofort nach der Sitzung unterschrieben. Sie waren daher sehr kurz gehalten und gaben nur einen Überblick über die Tagesordnungspunkte. Die Entscheidungen wurden allerdings genau festgehalten.

 

Unsere Messner und Organisten

Hier gibt's noch Info´s von Pfarrer Conradi

Bereits 1957 hat Immenstaad wohl einen eigenen Organisten und eine eigene Messnerin, jedenfalls wurden folgende Vergütungen festgesetzt:

Organist Immenstaad        DM 240.-

Messnerin Immenstaad     DM 300.- jährlich

Frau Ilse Heger war 30 Jahre lang im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Immenstaad tätig, zunächst als Älteste, dann nach der Gründung der eigenständigen Kirchengemeinde, als Kirchengemeinderätin. 18 Jahre lang war sie Vorsitzende des KGR

H. Dürr war 25 Jahre lang, bis zu seinem Tod, für die evangelische Kirchengemeinde Immenstaad tätig. Zunächst als Immenstaader Vertreter im Meersburger Kirchengemeinderat, dann im Ältestenkreis. Die Gründung der eigenständigen Kirchengemeinde erlebte er nicht mehr, obwohl er wohl immer darauf hinarbeitete.

Frau Martha Friedrich war 24 Jahre lang Kirchengemeinderätin in Immenstaad, teilweise im Vorsitz.

 Mehr zum Kirchenbau finden Sie auf der Homepage des Heimatvereins hier.